Gmundner Traunsee-Tram in Betrieb

Jahrhundertprojekt errichtet – Gmundner „Traunsee-Tram“ in Betrieb

Nach 4 Jahren Bauzeit unter sehr herausfordernden Bedingungen war es am 1. September 2018 endlich soweit: Die Stadt Regio Tram Gmunden konnte im Rahmen einer großen Feier in Betrieb gehen.

Dass es in Strömen regnete, tat der Feierlaune keinen wirklichen Abbruch, die Zahl der interessierten Gäste war gewaltig und deren Herkunft reichte bis weit ins Ausland.

Quelle: Stern & Hafferl Verkehr


 

Das Projekt, welches die fehlende Verbindung zwischen den beiden Strecken der Gmundner Straßenbahn und der Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf herstellte, umfasste die komplett neu errichtete Strecke vom bisherigen stadtseitigen Endpunkt der Straßenbahn, dem Gmundner Franz-Josef-Platz über den Rathausplatz, die Traunbrücke, den Klosterplatz bis zum Seebahnhof, welcher die Endstation der Lokalbahn nach Vorchdorf dargestellt hatte. Im Zuge dessen durchquert die als Straßenbahn geführte, nunmehr „Traunseetram“ genannte Verbindung das historische Zentrum mit seinen engen Straßen und dem Trauntor. Sämtliche Straßen und berührten Plätze wurden einer Neugestaltung unterzogen, die gesamte Leitungsinfrastruktur modernisiert und auf neuesten Stand gebracht, und die Traunbrücke, mehr oder weniger am Ende ihrer technischen Nutzungsdauer, wurde neu errichtet. Auch die beiden bisherigen Teilstrecken der Straßenbahn bzw. der Lokalbahn wurden mit modernsten neuen Fahrzeugen bestückt, welche abgestimmt auf die Streckenparameter des Bauprojektes parallel zur baulichen Umsetzung beschafft wurden und seit 2016 in Betrieb stehen.


 

Während es bereits in den Wochen davor zu den entsprechenden Einstell- und Probefahrten gekommen war, wurde einen Tag vor der offiziellen Feier im Rahmen einer Fachtagung im Stadttheater Gmunden das Thema „Regionalbahnen“ erörtert sowie gleichzeitig das am nächsten Tag anstehende Event gewürdigt, indem für die Tagungsteilnehmer eine erste inoffizielle „Eröffnungsfahrt“ über die neue Strecke organisiert wurde.


 

Mit vielen Ansprachen, kurzen Podiumsdiskussionsrunden, Musik und weiterem entsprechendem Rahmenprogramm wurde um 12 Uhr mittags ein langes, vom Gleisbogen beim Tor bis auf die Brücke zurückgespanntes Band von den anwesenden Gästen durchschnitten und der Fahrweg formell freigemacht. Die eigentliche erste Fahrt mit einer VIP-Tram erfolgte dann um 13 Uhr ab Rathausplatz bis Engelhof, während unmittelbar darauffolgend der Planbetrieb in beiden Richtungen den Betrieb aufnahm und im nunmehrigen dichten Fahrplantakt die neue Zukunft des Nahverkehrs in der Region Gmunden einläutete. Die Fahrten wurden ausgiebig bis in die Abend- und Nachtstunden genutzt; auch die in einem Zug installierte Bar trug das Entsprechende zur geselligen Feierlaune bei.

  


 

Viele Jahre der Planung haben somit nun ihren Abschluss gefunden, das Büro IKK war ja bereits ab frühen Phasen daran beteiligt.

Das Projekt war bereits vor über 100 Jahren (!) zur Umsetzung vorgesehen und scheiterte damals an den Wirren des Ersten Weltkrieges. Nun im 21.Jahrhundert sollte es aber tatsächlich konkret werden. So gingen die konkreteren Planungen in jüngerer Zeit, welche ins heute existierende Projekt mündeten, bereits 2008 mit dem Vorprojekt in eine entscheidende Detailierung, weil im Zuge dieser Vorplanung die konkrete Trasse in den „Knackpunkten“ Kammerhofgasse, Trauntor und Traunbrücke vertieft untersucht und bestätigt wurde.

Insbesondere die Frage, ob die Befahrung des engen Bereiches des Trauntores mit einer langen Straßenbahn in Form der vorgesehenen modernen Fahrzeugen auch tatsächlich möglich ist, war eine zentrale Frage dieser Untersuchung; und es konnte damals nach intensiver detaillierter Überprüfung und Berechnung seitens unseres ÖV-Planerteams von IKK schließlich von Planerseite endlich „grünes Licht“ gegeben werden. Auch wenn es an einigen Stellen faktisch um Zentimeter ging, war und ist diese Schlüsselstelle kein Problem für die Tram. Viele glaubten es dennoch lange auch während des Baues noch nicht, dass durch das Tor jemals eine Straßenbahn durchpassen würde…

Nachdem diese entscheidende Frage (neben weiteren anderen Fragen) geklärt war, konnten unter Berücksichtigung einer Reihe weiterer Aspekte die nächsten Schritte seitens der Projektwerber gesetzt werden, welche von der Idee zur tatsächlichen Umsetzung nötig sind – Beschlussfassungen, Finanzierung, behördliche Einreichplanungen, verschiedenste Bauausschreibungen, … und letztlich der Bau selbst.


 

IKK war in all den planerischen Phasen bis hin zur örtlichen Bauaufsicht zentral beteiligt und konnte gemeinsam mit anderen Fachplanern somit das Projekt seit dem Konkretwerden vor gut 10 Jahren bis zur Fertigstellung umfassend betreuen.

Vom Spatenstich im Herbst 2014 bis zur Inbetriebnahme im Herbst 2018 sind somit 4 intensive und herausfordernde Jahre vergangen, bei der ein in der Fachwelt mit großem Interesse und Anerkennung verfolgtes Schienenprojekt begreifbare Wirklichkeit wurde.

Für die Stadt Gmunden stellte es von der Dimension an sich, aber auch in Bezug auf die Bauabwicklung selbst sicherlich etwas dar, was von der Größenordnung bisher seinesgleichen gesucht hat. Auch seitens des Bauherren, Stern Verkehr, spricht man zu Recht von einem Jahrhundertprojekt. Aber trotz mancher Schwierigkeiten konnten letztlich im Grunde alle Hürden zufriedenstellend gemeistert werden.

Und im Ergebnis hat Gmunden nicht nur eine topmoderne Schienenverbindung aus und in die Region erhalten, sondern „nebenbei“ auch ein neugestaltetes Zentrum, grunderneuerte Ver- und Entsorgungsleitungen und eine neue Traunbrücke, sowie die Chance, daraus noch viel mehr zu machen.


 

Der Stadt Gmunden und der umgebenden Region ist zu wünschen, dass das Projekt Stadt Regio Tram jene positiven Effekte bringen wird, von dem die Initiatoren und Projektbetreiber ausgegangen sind.

Gute Fahrt in die Zukunft!

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