Autobahnstumpf Graz Webling – Alles neu!

Der aus den 1970ern übriggebliebene Autobahnstumpf hat endgültig ausgedient. Doch wie ist es überhaupt zu ihm gekommen und wie wird die neue Verkehrslösung aussehen?

Die derzeitige Verkehrsanbindung der Kärntner Straße an den Verteilerkreis Webling erfolgt über einen niveaufreien Knotenpunkt als Relikt des in den 1970er Jahren errichteten Weblinger Autobahnstumpfs. Damals war geplant, die A9 Pyhrn Autobahn als Stadtautobahn durch den Grazer Westen weiterzuführen. Diese Idee stieß bei der Bevölkerung aber auf großen Widerstand. Nach einer Volksbefragung 1975 entschied man sich für den Bau des Plabutschtunnels, welcher schließlich am 27. Juni 1987 für den Verkehr freigegeben wurde. Seit der Fertigstellung der zweiten Tunnelröhre 2004 ist dieser übrigens der zweitlängste Doppelröhren-Tunnel Europas.


Aus dem Buch der Grazer Straßennamen von den Autoren Karl. A Kubinzky und Astrid M. Wentner erfährt man, dass der heutige Ortsteil- und Katastralgemeindename „Webling“ auf den Dorfnamen „Wewilingen“ von ~ 1185 zurückgeht. Dieses wurde vermutlich nach dem Dorfgründer benannt (bei den Leuten des Vivilo).


Das 1971 errichtete Brückentragwerk über die Kärntner Straße wurde, gemäß den damaligen Überlegungen, als Brücke für die Stadtautobahn konzipiert und dimensioniert. Heute wird der Stumpf adaptiert als Park & Ride Parkplatz mit ca. 260 Stellplätzen genützt.

Das Gesamtsystem „Weblinger Stumpf“ ist somit derzeit nicht auf die bestehende Nutzung optimiert. Der immense Platzbedarf und die hohen Kosten für Reparatur und Instandhaltung haben die Suche nach einem neuen Verkehrssystem initiiert.

Die Kärntner Straße im Bestand - Blickrichtung stadteinwärts

Die Kärntner Straße im Bestand – Blickrichtung stadteinwärts

Variantenfindung

Im Zuge der Vorprojektserstellung 2013 und einer Nutzen-Kosten-Untersuchung wurden Varianten ausgearbeitet und verkehrstechnisch untersucht. Bei der Variantenauswahl wurde ein bestandsnahes System ohne prinzipielle Änderung der Verkehrsführung, ein niveaugleiches Kreuzungssystem mit Signalregelung und eine niveaufreie Knotenlösungen aufgezeigt. Eine Umorganisation am Verteilerkreis Webling mit Einführung einer Signalisierung wurde dabei als leistungsfähige Voraussetzung erkannt.

Als bestes Ergebnis der Nutzen-Kosten-Untersuchung ging die Umgestaltung der Kärntner Straße auf einen niveaugleichen signalgeregelten Kreuzungspunkt hervor, da neben den Kostenvorteilen vor allem auch die Einhaltung der städtebaulichen Rahmenbedingungen entscheidend waren.

Der neue „Weblinger Stumpf“

Der Umbau sieht vor, das bestehende Brückenbauwerk über die Kärntner Straße mitsamt dem aufgeschütteten Damm abzutragen und an dessen Stelle eine signalgeregelte, 4-armige Kreuzung zu errichten. Der Park & Ride Parkplatz findet nördlich der Kärntner Straße und auf deren Niveau mit rund 270 Stellplätzen einen neuen Standort. Die Aufschließung der Erna-Diez-Straße, der Trattfelderstraße sowie des Dahlienwegs wird neu geregelt und über einen Kreuzungsarm erschlossen. Entlang der Erna-Diez-Straße sind Stellplätze für Busse, eine Sanitäranlage sowie ein Geh- und Radweg vorgesehen.

Die Kärntner Straße führt 2-streifig stadtauswärts und 1-streifig mit einem zusätzlichen Busfahrstreifen stadteinwärts. Beidseitig wird ein begleitender Geh- und Radweg errichtet – der südliche weiter abgesetzt mit einer Unterführung unter der neuen Rampe von der Kreuzung zum Verteilerkreis. Die bestehende Geh- und Radweg Anbindung Richtung „Center West“ wird verbreitert. Die direkten Auf- und Abfahrten von der Kärntner Straße zum und vom Verteilerkreis werden grundsätzlich beibehalten.

Karte Webling-min_2

Kartenquelle: GIS-Steiermark

Kreuzung B70-min

Niveaugleicher, signalisierter Knotenpunkt – Blickrichtung stadteinwärts

Der neue „Verteilerkreis Webling“

Die größte Neuerung am Verteilerkreis ist sicherlich dessen Signalisierung. Zusätzlich wird die südliche Zufahrt von der A9 mitsamt einem Brückenobjekt verbreitert. Ziel dieser Maßnahme ist die Anhebung der Verkehrssicherheit, da bereits schwere Unfälle infolge abgeirrter Geradeausfahrten von Süden mit anschließendem Absturz auf die A9 zu verzeichnen sind. In weiterer Folge soll auch eine Entschärfung der Ausfahrtssituation von der Kreisfahrbahn auf den Weblinger Gürtel erfolgen. Ebenso wird zur Anhebung der Leistungsfähigkeit die Zufahrt vom Weblinger Gürtel in den Verteilerkreis verbreitert.

Am Verteilerkreis selbst werden die bestehenden Überkopfwegweiser abgetragen und durch neue mit integrierten Ampelleisten ersetzt. Mithilfe von mehreren Wechselwegweisern soll die Verkehrsführung im Falle einer Sperre des Plabutschtunnels leicht verständlich sein. Außerdem wird im gesamten Projektbereich die in die Jahre gekommene Beleuchtung erneuert.

Der Baubeginn ist für den heurigen Sommer, die Gesamtfertigstellung mit Ende 2017 geplant.

Zufahrt A9-min

Die südliche Zufahrt von der A9 in den Verteilerkreis im Bestand

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